Pressemitteilungen vom 27.09.2018:

WR vom 27.09.2018 - weitere Gespräche zur Höchstspannungstrasse

Ers­tes Tref­fen vor den Herbst­fe­ri­en

Bei dem ge­plan­ten Bau der 380-kV-Höchst­span­nungs­lei­tung durch At­ten­d­orn set­zen die Be­tei­lig­ten auf ein Dia­log­fo­rum. Rats­mit­glie­der sind skep­tisch

Flem­ming Krau­se

At­ten­d­orn. Die Fra­ge, wel­cher Mast­typ am En­de das Mit­tel der Wahl sein wird, treibt An­woh­ner, Po­li­ti­ker und Ver­wal­tung der Han­se­stadt glei­cher­ma­ßen um­her. Wie be­reits mehr­fach be­rich­tet, fa­vo­ri­siert der Netz­be­trei­ber Am­pri­on beim Bau der 380-kV-Höchst­span­nungs­lei­tung, die von Dort­mund bis nach Rhein­land-Pfalz ver­lau­fen und da­bei auch über At­ten­d­or­ner Stadt­ge­biet füh­ren soll, die gän­gi­gen Stahl­git­ter­mas­ten.

Die At­ten­d­or­ner, von be­trof­fe­nen Bür­gern bis hin zur Stadt­spit­ze, spre­chen sich je­doch für die aus ih­rer Sicht emis­si­ons­är­me­re Kom­pakt­va­ri­an­te aus. Um der Lö­sung die­ses Pro­blems ent­ge­gen­zu­wir­ken, ver­ab­re­de­ten al­le Be­tei­lig­ten jüngst im Rah­men ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung, ein Dia­log­fo­rum mit er­geb­nis­of­fe­nem Aus­gang ins Le­ben zu ru­fen. Denn: „Wir ha­ben ver­stan­den, dass Sie mit un­se­rer der­zei­ti­gen An­trags-Tras­se nicht zu­frie­den sind“, be­ton­te Claas Ham­mes, Pro­jekt­spre­cher der Am­pri­on, am gest­ri­gen Mitt­woch im Rat der Han­se­stadt. So sol­le be­reits vor den Herbst­fe­ri­en ein ers­tes Ge­spräch, al­so ei­ne Art Kick-Off-Tref­fen, statt­fin­den.
Spiel­re­g­len ver­ein­ba­ren

„Bei die­sem Tref­fen wird es dar­um ge­hen, kla­re Zie­le und Spiel­re­geln zu ver­ein­ba­ren und dem Dia­log­fo­rum ei­ne Struk­tur zu ge­ben“, so Ham­mes wei­ter. Am Frei­tag ver­gan­ge­ner Wo­che hat­ten sich die Ver­tre­ter der Am­pri­on und die Stadt­spit­ze be­reits über die mög­li­chen Teil­neh­mer die­ser künf­ti­gen Zu­sam­men­künf­te aus­ge­tauscht. Ihr Vor­schlag: Ne­ben Bür­gern, et­wa aus den In­ter­es­sens­ge­mein­schaf­ten, ge­hör­ten da­zu auch die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den, Mit­ar­bei­ter der Ver­wal­tung, Ver­tre­ter der Am­pri­on, Mit­glie­der des Re­gio­nal­ra­tes und, ganz wich­tig, ein neu­tra­ler Mo­dera­tor. „Ma­xi­mal den­ken wir an ei­ne Grö­ßen­ord­nung von 15 Per­so­nen“, er­gänz­te der Am­pri­on-Spre­cher, der auf Nach­fra­ge auch nichts ge­gen ei­ne Be­tei­li­gung des Ver­bands für Kom­pakt­lei­tun­gen ein­zu­wen­den hat­te. Al­ler­dings, so die Ein­schrän­kung, nicht als re­gel­mä­ßi­ger Part­ner des Dia­log­fo­rums. Das Zeit­fens­ter für die­ses Ge­sprächs­for­mat sol­le bis Früh­jahr kom­men­den Jah­res lau­fen. Be­reits ab­ge­lehnt ha­be der Netz­be­trei­ber den Vor­schlag, mit dem Start in das Plan­stel­lungs­ver­fah­ren noch so lan­ge zu war­ten, bis ein Kom­pro­miss ge­fun­den ist. „Aber wenn ein sol­cher ge­fun­den wird, ha­ben wir die ver­bind­li­che Zu­sa­ge, dass er in das Plan­stel­lungs­ver­fah­ren über­nom­men wird“, er­klär­te Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Pos­pi­schil.

Auf gro­ßes Miss­trau­en stößt die Vor­ge­hens­wei­se je­doch bei dem ei­nen oder an­de­ren Rats­mit­glied. „Ich kann mich nicht da­mit ab­fin­den, dass das Ver­fah­ren nicht ver­zö­gert wird. Ich weiß auch nicht, wie ein Kom­pro­miss aus­se­hen kann“, be­ton­te et­wa Wolf­gang Lan­ge­n­ohl (SPD). Denn, und das mach­ten die Am­pri­on-Ver­tre­ter auch klar, sie wür­den am En­de nur dann ei­nen sol­chen Kom­pro­miss mit­tra­gen, von dem sie glaub­ten, dass er rechts­si­cher sei und ei­ner Kla­ge vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt stand­hal­ten wür­de.
Ge­schäfts­füh­rung soll da­zu­kom­men

„Im schlimms­ten Fall kom­men wir al­so zu ei­nem gu­ten Er­geb­nis, aber die Ent­schei­dung tref­fen am En­de doch sie. Da se­he ich Pro­ble­me auf uns zu­kom­men“, be­ton­te Ul­rich Bock (SPD). Auf die Fra­ge von Ralf Wa­ri­as (FDP), ob den auch Ent­schei­dungs­trä­ger der Am­pri­on, al­so die Ge­schäfts­füh­rung, an den Ge­sprä­chen teil­neh­men wür­den, ant­wor­tet Ham­mes et­was aus­wei­chend: „Wir ha­ben na­tür­lich ei­nen kur­zen Draht zu den ent­schei­den­den Per­so­nen in un­se­rem Haus, da wird es im­mer Rück­kop­pe­lun­gen in un­se­rem Un­ter­neh­men ge­ben. Und dann wer­den wir das Feed­back ent­spre­chend ein­brin­gen.“

Und auch Ul­rich Sel­ter, 2. stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­meis­ter (CDU), äu­ßer­te Be­den­ken, ob und wie das Dia­log­fo­rum zu ei­nem trag­ba­ren Er­geb­nis kom­men kön­ne, wenn eben kei­ne Ent­schei­dungs­trä­ger un­mit­tel­bar mit am Tisch sä­ßen. „Des­we­gen wür­de ich vor­schla­gen, im Ver­lauf der Dis­kus­si­on auch die Ge­schäfts­füh­rung mit­zu­neh­men“, sprang ihm Bür­ger­meis­ter Pos­pi­schil zur Sei­te.

Ab­schlie­ßend warb At­ten­d­orns Ober­haupt noch da­für, über ein Pi­lot­pro­jekt hier vor Ort nach­zu­den­ken. Denn ein sol­ches führt die Am­pri­on der­zeit un­weit der hol­län­di­schen Gren­ze durch, wo sie den Ein­satz von Voll­wand­mas­ten er­probt. „Wir ha­ben hier ei­ne be­son­de­re Si­tua­ti­on, viel­leicht fin­den wir da­für auch ei­ne be­son­de­re Lö­sung“, er­klär­te Pos­pi­schil. Ab­schlie­ßend mach­te er deut­lich: „Wenn wir nun in ein sol­ches Dia­log­fo­rum star­ten, sind zwei Din­ge ganz wich­tig: Er­geb­nis­sof­fen­heit und Ver­läss­lich­keit.“

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